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Vom Pilotprojekt zur Paralympcis-Teilnahme: Para-Rudern im RVM

Manuela Diening ist die erste Para-Ruderin im Ruderverein. Rollstuhlbasketball kennt jeder – aber Para-Rudern?

Mit einer Mail fing alles an:

“Eines Tages stand ich zufällig an der Trainingsstrecke des RV Münster und fragte mich, ob Rudern nicht meine neue Herausforderung werden könnte. Kurzerhand schrieb ich also eine Mail an den Verein und fragte, ob sie sich vorstellen könnten, auch jemanden im Rollstuhl zu trainieren. Die Mail landete bei Sebastian Fuchs, meinem jetzigen Trainer, und dieser nahm sich der gemeinsamen Herausforderung an – denn im Verein hatte bis dato noch niemand Erfahrung mit Pararudern.”

So erzählt Manuela, während sie gerade die Rückenlehne ihres Sitzes an das Boot schraubt. Denn das ist das erste, woran sich Ruderverein und die Neueinsteigerin gewöhnen mussten – das Boot hat keinen Rollsitz, sondern einen Festsitz mit Lehne. Noch auffälliger sind die beiden Schwimmer, die am Ausleger befestigt sind.

“Anfangs hatten wir hier aus dem Freizeitsport ein Boot umgerüstet, zufällig hatten wir hier im Verein ein paar Schwimmer. Den Ausleger und die Skulls konnten wir uns dann woanders leihen”, erzählt Sebastian Fuchs.

Schneller Fortschritt

Das alles ist noch gar nicht so lange her – die Mail schrieb Manuela im Oktober 2019, im Februar 2020 saß sie schon das erste Mal auf dem Ruderergometer in einem internationalen Wettkampf, der Ergometerweltmeisterschaft in Paris. Mehr passierte dann in dem Jahr dann nicht, denn die Covid-Pandemie brachte dann alles zum Erliegen. Mit dem Handbike und auf dem Ergometer zuhause trainierte Manuela dann weiter und als es möglich war, auch zu rudern, wurden mehr und mehr Wassereinheiten in das Training integriert. Der Para-Bundestrainer verfolgte diese Schritte und im Sommer stellte er dann ein Rennboot zur Verfügung, mit dem sie dann 2021 ihren ersten internationalen Auftritt bei der Europameisterschaft in Varese hatte.

Faszination Rudern

“Wenn ich im Boot unterwegs bin, dann vergesse ich, dass ich im Rollstuhl sitze. Dann bin ich eine von vielen auf dem Wasser und kann an manchen Tagen – je nach Art des Trainings – die Natur genießen. Oft gehe ich sehr früh aufs Wasser und so sehe ich manch schönen Sonnenaufgang, oder ich erlebe Momente auf unserer Trainingsstrecke bei glattem Wasser – nur ich alleine.”

Inzwischen ist Manuela fest im Nationalkader Para-Rudern und bereitet sich auf die Teilnahme an den Paralympics 2024 in Paris vor. Was als Lernprojekt für Verein und Sportlerin begann, ist heute schon eine Erfolgsstory.

“Wir haben Möglichkeiten, Menschen mit körperlichen Einschränkungen das Rudern zu ermöglichen – nicht nur im Leistungssport. Seheinschränkungen oder ein Einschränkungen an den Gliedmaßen wie Beinen und Armen sind kein Grund, es nicht mit dem Rudern zu versuchen”, sagt Sebastian Fuchs, der nicht nur Trainer im Leistungssport ist, sondern vor allem den Freizeit- und Breitensport betreut. Warum also nicht einmal Kontakt mit dem Ruderverein aufnehmen?